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Conan? Nee, Arnie
Dienstag, 20. Dezember 2005
Ende einer Liebesbeziehung?
"Arnie, der Barbar"
Sie nannten ihn liebevoll "die steirische Eiche", und die Volksmusikgruppe "Stoakogler" verkaufte ihren "Arnie"-Hit "Steirermen san very good" mehr als zwei Millionen Mal. Alles das soll jetzt Vergangenheit sein? Arnold Schwarzenegger, der siebenmalige Bodybuilding-Weltmeister und erfolgreiche Filmstar mit der amerikanischen Traumkarriere ist durch seine Rolle bei der Hinrichtung des amerikanischen Bandengründers Stanley "Tookie" Williams zumindest bei einem Teil seiner österreichischen Landsleute in Ungnade gefallen.
Vor allem in seiner Heimatstadt Graz hat der republikanische Gouverneur von Kalifornien durch die Verweigerung der Begnadigung von Williams viel Sympathien eingebüßt. Auch die Medien des Landes gehen hart mit "dem großen Sohn der Steiermark" ins Gericht. Die konservative Wiener Zeitung "Die Presse" etwa nannte Schwarzenegger in einem Kommentar "Arnie, der Barbar". Besonders hohe Wellen schlug die Hinrichtung aber in Graz, wo eine Mehrheit im Stadtparlament beschloss, den Namen des "Terminators" vom örtlichen Fußballstadion zu entfernen.
Ring bereits in der Post
Der offenbar tief gekränkte Wahl-Kalifornier reagierte prompt: Er verbot seiner "geliebten Heimatstadt" den Namen Schwarzenegger künftig zu Werbezwecken weiter zu verwenden. Außerdem soll sie ihn bis zum Jahresende vom städtischen Stadion abmontieren. Und den Ehrenring von Graz, den der kantige Schauspieler-Politiker für sein soziales Engagement in der alten Heimat 1999 erhalten hatte, schickte er gleich zurück. "Da mich das offizielle Graz offensichtlich jetzt nicht mehr als einen der ihren akzeptiert, ist auch dieser Ring für mich wertlos geworden. Er befindet sich bereits in der Post", schrieb der schmollende Politiker an die Stadtväter.
In der Hauptstadt der Steiermark hat der Streit um Arnie die Lager tief gespalten. Der konservative Bürgermeister, Siegfried Nagel, hält den ganzen Streit für eine "Provinzposse". Grazer Tourismus-Sprecher befürchten aber schon, dass der Liebesentzug durch Schwarzenegger dem heimischen Fremdenverkehr schaden könnte. Führende Vertreter der steirischen Volkspartei entschuldigten sich deshalb sogleich bei ihrem Arnold, um Schaden von ihrem Land abzuwehren.
"Menschenrechtsstadt Graz"
Doch die erbitterten Gegner der Todesstrafe, allen voran die Grazer Grünen, stehen hinter ihrer Entscheidung. "Wenn Schwarzenegger unter Berufung auf kalifornisches Gesetz Todesurteile vollstrecken lässt, dann (...) ist er sicher kein geeigneter Pate für ein bedeutendes öffentliches Gebäude in der Menschenrechtsstadt Graz", meinte der sozialdemokratische Vize-Bürgermeister Walter Ferk. Ähnlich harte Kritik formulierte die Auflagen starke Wiener Zeitung "Kurier".
Das Blatt begrüßte das Aufsehen, das der Streit erregt hat und meinte: "Es wäre ein Zeichen, und zwar alles andere als ein peinliches, dass es bei uns als falsch gilt, einen Menschen in einem perversen staatlichen Racheritual wie einen Hund einzuschläfern, selbst wenn dieser Mensch vermutlich ein Mörder ist."
Schwarzenegger selbst machte deutlich, dass sich an seinem Verhältnis zu seiner Heimat durch den Streit nichts ändern wird: "Ich bin (...) in meinen Wurzeln ein Grazer, Steirer und Österreicher. Das sitzt so tief, dass es immer in mir bleiben wird", sagte er dem Boulevardblatt "Kronenzeitung".
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Tja ... die Würfel sind gefallen.